In dieser Affirmationsfolge über offene Beziehungen beantwortet Lukas einige Fragen, die du vielleicht über Monogamie, Polyamorie und alles, was es dazwischen gibt, haben könntest. Du interessierst dich für offene Beziehungen, hast aber keine Ahnung, wo du anfangen sollst? Diese Folge ist der erste Schritt.

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Hey! Ich heiße Lukas und heute sprechen wir über Polyamorie.

Polyamorie ist ein großes Thema, wobei das Wort nur ein Übergriff für viele verschiedene Konstellationen ist. Und genau aus diesem Grund ist das die erste Folge unserer Serie über Polyamorie. Heute wollen wir einen allgemeinen Überblick über Polyamorie schaffen und die Gefühle und Vorstellungen sortieren, die wir über diese Beziehungsform haben.

Woran denkst du, wenn du an eine polyamore Beziehung denkst? Stellst du dir ein Paar vor, das eine dritte Person für gelegentlichen Sex einlädt?

Oder denkst du an eine Dreiecksbeziehung, in der sich drei Menschen daten oder sogar zusammenleben?

Beide Situationen (und viele andere) gehören zur Kategorie der polyamoren Beziehungen. Polyamorie bedeutet also, dass man offene Strukturen einer monogamen Beziehung vorzieht.

Polyamorie und nicht-monogame Beziehungen sind mit vielen Vorurteilen behaftet. Leider tendiert unsere Gesellschaft nach wie vor dazu, solche Beziehungen zu verurteilen. Das liegt vor allem daran, dass angenommen wird, dass polyamore Menschen einfach nur Sex mit allen möglichen Leuten haben oder ihre Partner*innen ohne schlechtes Gewissen “betrügen” wollen.

Das stimmt natürlich nicht. Im Gegenteil: In einer gesunden, polyamoren Beziehung wird niemand betrogen. Polyamore Menschen bauen ihre Beziehung auf Kommunikation, Verständnis und eindeutigen Grenzen auf. Natürlich kann es in polyamoren Beziehungen auch um Sex gehen, aber das ist nicht alles, was zählt. Im Mittelpunkt stehen bestimmte Strukturen, die die traditionellen Denkweisen aufbrechen, die in unserer Gesellschaft über Monogamie vorherrschen.

Monogamie funktioniert für viele Menschen, aber nicht für alle. Und auch Polyamory funktioniert für viele, aber eben nicht für alle.

Aber wie spricht man das Thema Polyamorie in einer monogamen Beziehung an? Dieser Punkt fällt den meisten Menschen sehr schwer.

Tendenzen hast oder einfach interessiert daran bist, dann nimm dir erst etwas Zeit, in dich zu gehen, bevor du es ansprichst. Frage dich selbst, warum du Polyamorie in deinem Leben willst oder brauchst.

Finde heraus, was Polyamorie ist und was nicht. Recherchiere in Büchern oder Artikeln. Vielleicht kontaktierst du sogar Personen, die Teil der polyamoren Community sind, und fragst dich selbst, ob und warum du dich mit ihnen identifizieren kannst.

Entsprechen die Informationen, die du über Polyamorie finden kannst, deinen Bedürfnissen und Wünschen? Identifizierst du dich mehr mit einem polyamoren als mit einem monogamen Lebensstil?

Wenn du merkst, dass du keine triftigen Gründe dafür finden kannst, dass Polyamorie etwas für dich ist, dann ist der Zeitpunkt für ein Gespräch mit deinem Partner bzw. deiner Partnerin wahrscheinlich noch nicht gekommen. Am besten denkst du noch weiter über dich und über das Thema nach.

In sich zu gehen, ist sehr wichtig, da du nur so deine Gefühle zu diesem Thema in einem Gespräch richtig zum Ausdruck bringen kannst.

Vielleicht macht dich die Vorstellung nervös, deinem Partner bzw. deiner Partnerin zu sagen, dass du andere Personen daten möchtest. Das ist völlig okay.

Viele Menschen, die glauben, dass sie polyamor sind, sprechen es nie aus, weil sie Angst haben, ihren Partner bzw. ihre Partnerin zu verletzen. Oder sie wollen nicht von anderen verurteilt werden, weil sie sich eine andere Beziehungsstruktur wünschen.

Bevor du so ein Gespräch anfängst, solltest du deinem Gegenüber versichern, wie sehr du ihn oder sie liebst und wie wichtig er oder sie dir ist.

Erkläre, dass dein Bedürfnis nach weiteren Partner*innen nicht bedeutet, dass er oder sie etwas falsch macht oder nicht genug ist.

Sei dir bewusst, dass dein Gegenüber diese Idee vielleicht nicht mit offenen Armen begrüßen wird. Vielleicht reagiert er oder sie sogar negativ auf deinen Vorschlag. Das ist eine normale Reaktion und wahrscheinlich braucht es etwas Zeit, bis er oder sie das Gesagte verarbeiten kann.

Wichtig ist, dass du betonst, dass es bei deinem Interesse an Polyamorie um dich und deine Sexualität geht und dass es kein Spiegelbild der Beziehung ist, die ihr beiden führt.

Du solltest auch darauf vorbereitet sein, dass dein Gegenüber lieber monogam leben möchte. Manche Menschen sind darauf ausgerichtet und das ist völlig in Ordnung. In diesem Fall solltest du darüber nachdenken, ob dir Polyamorie wichtiger ist als deine aktuelle Beziehung.

Poly/mono-Beziehungen - in denen eine Person polyamor ist und die andere monogam - sind möglich, aber können sehr kompliziert sein. Darüber sprechen wir in einer anderen Folge.

Wenn du in dem Gespräch merkst, dass dein Partner bzw. deine Partnerin zwar interessiert, aber nicht ganz sicher oder nervös ist, gib ihm oder ihr Zeit und Raum, über deinen Vorschlag nachzudenken. Lasst das Gespräch für den Moment ruhen und vereinbart einen Tag, um weiterzureden.

Nun sprechen wir darüber, wie Polyamorie gelebt wird und wie es sich anfühlt, ganz gleich, ob du in einer Beziehung oder single bist.

Es gibt viele verschiedene nicht-monogame Modelle, d.h. du kannst verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, die für dich und deinen Partner bzw. deine Partnerin funktionieren. In der heutigen Folge sprechen wir über ethische Nicht-Monogamie.

Diese Beziehungsstruktur bedeutet, dass sich alle Beteiligten der Tatsache bewusst und mit dieser einverstanden sind, dass der Partner bzw. die Partnerin intim mit anderen wird. Vielleicht bist du mit einer Person zusammen, die weniger Sex haben will als du und einverstanden damit ist, dass du mit anderen schläfst.

Oder vielleicht habt ihr gelegentlich Sex mit einem anderen Paar, aber es bestehen keine romantischen Gefühle zwischen euch.

Hier spricht man von ethischer Nicht-Monogamie.

Die Begriffe “primär” und “sekundär” in Bezug auf den Partner oder die Partnerin sind Teil dieser Beziehungsform.

In solch einer polyamoren Dynamik führt man eine feste Beziehung mit einem Partner bzw. einer Partnerin, mit der man vielleicht sogar zusammenlebt, Kinder hat, und so weiter. Diese Person ist der Primärpartner bzw. die Primärpartnerin.

Als sekundär wird die Person bezeichnet, mit der man außerhalb seiner Primärbeziehung intim wird. Und obwohl man weniger Erwartungen aneinander und Verantwortung füreinander hat, geht man trotzdem loyal und hingebungsvoll miteinander um.

Es ist nicht leicht, die eigenen Beziehungen in bestimmte Formen zu pressen oder die Strukturen vorherzusagen, die sie mit der Zeit annehmen werden. Oft entwickeln sie sich ganz unerwartet, je nachdem, welche Personen beteiligt sind. Denke also daran, dass nur, weil du dir bestimmte Personen in deiner Primär- und Sekundärbeziehung wünschst, nicht alles so laufen muss, wie du dir das vorstellst.

Polyamorie bedeutet, eine individuelle Struktur zu finden.

Kommunikation und Grenzen sind die wichtigsten Werkzeuge, um eine nicht-monogame Beziehung erfolgreich zu führen. Du und deine Partner*innen solltet euch mit jedem Schritt Zeit nehmen, eure Gefühle zu kommunizieren - auch die unangenehmen, wie Eifersucht oder Unsicherheit.

Sagen wir, du und dein Partner bzw. deine Partnerin möchtet Polyamorie ausprobieren. Ihr entscheidet euch, beide auf Dates mit anderen zu gehen.

Jetzt ist der Zeitpunkt, klare Grenzen zu setzen. Nicht am Abend vor dem Date. Nicht am Tag danach. Sobald ihr euch einig seid, es zu testen, solltet ihr über Grenzen sprechen.

Diese können so locker oder konkret sein, wie ihr möchtet, aber ihr solltet euch beide zu 100% wohl in der Situation fühlen, bevor ihr weitermacht.

Solche Grenzen könnten zum Beispiel sein, dass es für dich okay ist, dass dein Partner bzw. deine Partnerin auf Dates geht, aber dass du dich noch nicht wohl mit dem Gedanken fühlst, dass er oder sie Sex mit jemand anderem hat. Oder du erklärst dich einverstanden, dass er oder sie eine Dating App herunterlädt, aber du möchtest, dass ihr euch absprecht, bevor er oder sie mit jemandem schreibt.

Viele Menschen assoziieren Polyamorie mit Eifersucht und glauben, dass sie niemals in einer polyamoren Beziehung sein könnten, da die Eifersucht zu viel für sie wäre.

Aber selbst wenn du von dir glaubst, eine eifersüchtige Person zu sein, kannst du trotzdem eine gesunde und kommunikative polyamore Beziehung führen.

Manche Paare schwören auf den “Don’t ask, don’t tell”-Ansatz, d.h. dass beide Partner*innen einverstanden sind, dass man mit anderen schläft, aber nicht über Details gesprochen wird. Die gemeinsame Zeit konzentriert sich nur auf die eigene Beziehung.

Andere Paare ziehen es vor, die Details zu besprechen. Du musst also dein eigenes System finden - und das kann ein wenig dauern und ein paar Experimente erfordern.

Eifersucht kann sich selbst in den stabilsten Beziehungen ausbreiten. Das ist völlig normal und ein Gefühl, das die meisten von uns gut kennen. Wenn du unerwartet eifersüchtig wird, solltest du am besten ehrlich darüber sprechen.

Man verliert sich schnell in solchen Gedanken, vor allem wenn der oder die andere dem Sekundärpartner bzw. Der -partnerin immer näher kommt.

Unsere Gefühle anzusprechen, hilft dabei, besser mit ihnen umzugehen. Wenn du deinem Gegenüber sagst, dass du eifersüchtig oder unsicher bist, schaffst du Zeit und Raum für dich selbst und kannst diese Gefühle richtig erkennen und sortieren, anstatt sofort auf sie zu reagieren und dich von negativen Gedanken kontrollieren zu lassen.

Ein Weg, deinem Partner bzw. deiner Partnerin dabei zu helfen, mit Eifersucht umzugehen, ist es, ehrlich über deine eigenen Gefühle zu sprechen… Wenn du ein außergewöhnlich schönes Date mit jemand hattest und merkst, dass du Gefühle für die Person entwickelst, solltest du mit deinem primären Partner bzw. deiner Partnerin darüber sprechen. Er oder sie soll verstehen, wie du dich fühlst. Diese Gespräche können schwer sein - aber sie zu führen, ist besser, als sie zu vermeiden.

In vielerlei Hinsicht geht es in Polyamorie um Balance.

Es geht darum, selbst aus traditionellen Beziehungsstrukturen zu wachsen und ein eigenes System zu entwickeln.

Polyamorie kann unglaublich einzigartig und persönlich sein. Und sobald du es schaffst, diese Balance zu finden, hast du die Chance auf ungeahntes Glück.

Ich hoffe, du konntest in dieser Folge ein wenig über dich selbst und das, was hinter dem Begriff Polyamorie steckt, lernen. Hoffentlich hören wir uns bald wieder.